Wissenschaft

«So lernte ich meine erste grosse Lektion über die Forschung auf diesen abgelegenen Wissensgebieten: Miss dem Unglauben grosser Männer oder ihren Vorwürfen der Anmassung oder der Dummheit nicht das geringste Gewicht bei, wenn sie im Widerspruch zur wiederholten Beobachtung von Tatsachen durch andere, zugegebenermassen geistig gesunde und ehrliche Männer steht. Die gesamte Geschichte der Wissenschaft zeigt es uns: Wenn die gebildeten Männer der Wissenschaft eines Zeitalters die Tatsachen anderer Forscher von vornherein mit der Begründung der Absurdität oder Unmöglichkeit geleugnet hatten, hatten die Leugner immer unrecht.»
Alfred Russel Wallace (1823 – 1913), postulierte unabhängig von Charles Darwin die Evolutionstheorie

Ist das wirklich so?

Man hört und liest ja immer wieder dasselbe: Der Homöopathie fehle es an Wissenschaftlichkeit. Daraus wird gefolgert, sie sei unwirksam.

Ich frage zurück: Ist das wirklich so? Was wissen wir? Wer weiss es? Woher wissen wir etwas? Welche Beweise gibt es dafür? Was ist wissenschaftlich? Darf sich jemand, der an einer Universität studiert hat, anmassen, Experte für alles zu sein, auch für Dinge, mit denen er sich noch keine einzige Minute wahrhaft auseinandergesetzt hat? Wie oft lassen wir uns von Vorurteilen leiten, nur weil es bequemer ist, bei alten Überzeugungen zu bleiben? Was wohl werden die WissenschaftlerInnen in tausend Jahren über unser heutiges Wissen denken? Ist etwas unwahr, nur weil es noch nicht beschrieben werden kann? Ist das Licht unwahr, nur weil der Mensch bis anhin keine einheitliche Theorie über seine Natur zustande brachte?

Ist es wirklich vernünftig anzunehmen, die Welt bestünde nur aus den Dingen, die wir heute erklären können? Oder sogar nur aus den Dingen, die ich selbst erklären kann?

Die Natur kümmert sich nicht darum, ob wir sie verstehen oder nicht. Sie war vor uns da und funktionierte immer einwandfrei. 

Das erste homöopathische Experiment

Die Homöopathie gründet auf der unvoreingenommenen Beobachtung, welche auch in den modernen angewandten Naturwissenschaften als oberstes Prinzip gilt.

Samuel Hahnemann war ein brillanter, eigenwilliger Denker und ausgezeichneter Forscher. Er hat sich seine Lehre nicht zusammengesponnen, sondern sie entstand durch "Beobachten, Nachdenken und Erfahrung". 

Bei der Übersetzung eines medizinischen Buches fand Hahnemann die Behauptung, die gute Wirkung von Chinarinda bei Malaria beruhe auf deren magenstärkenden Eigenschaften. Diese Erklärung schien ihm nicht plausibel und so unternahm er selbst einen Versuch:  

«… Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimal täglich jedesmal vier Quentchen gute China ein; die Füsse, die Fingerspitzen u.s.w. wurden mir kalt, ich  ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind; eine unleidliche Aengstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; dann Klopfen im Kopfe, Röthe der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst bei Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nach einander, doch ohne eigentlichen Fieberschauder. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfiebern ge-wöhnlichen besonders charakteristischen Symptomen, die Stumpfheit der Sinne, die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige Empfindung, welche im Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren Sitz zu haben scheint – alle erschienen. Dieser Paroxysm dauerte zwei bis drei Stunden jedesmahl, und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht. Ich hörte auf, und ich ward gesund.»
Samuel Hahnemann, Gesammelte kleine Schriften

Hahnemann machte genau das, was auch heute üblich ist: Die Überprüfung einer Hypothese mittels eines Experimentes.

Er widerlegte damit die Hypothese der magenstärkenden Wirkung von China und bestätigte das Prinzip der Ähnlichkeit: Die Chinarinde erzeugt malariaähnliche Symptome und allein deshalb ist sie bei Malaria angezeigt.

Hahnemann erwähnt, dass bereits einige vor ihm von ähnlichen Beobachtungen berichtet hatten. Ihm ist jedoch zuzuschreiben, dass er als erster ihre Allgemeingültigkeit erkannt und als Heilgesetz beschrieben hat: Similia similibus curentur - Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.